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Isis – Göttin der Geburt und Totengöttin

Isis - ägyptische Göttin
Bild: Vladimir Zadvinskii / Shutterstock.com

Isis gehörte zu den beliebtesten Göttinnen des alten Ägypten.

Sie war Schutzgöttin und Gottesmutter.

Isis, die populäre Göttin

Bei Isis handelte es sich um eine der bekanntesten und populärsten Göttinnen der alten Ägypter. Sie fungierte als Göttin von Geburt und Wiedergeburt sowie der Magie. Ferner war sie Totengöttin, Schutzgöttin, Hafengöttin und Himmelsgöttin. Ihre Verehrung reichte bis über Ägypten hinaus.

Übersetzt bedeutet der Name Isis soviel wie „Thron“ oder „Sitz“. Erstmals Erwähnung fand Isis in den Pyramidentexten.

Darstellung der Göttin

Die alten Ägypter bildeten Isis in der Gestalt einer menschlichen Frau ab. Auf dem Kopf der Isis wurde ein Thron dargestellt, der die Hieroglyphe ihres Namens markierte. Andere Darstellungen verliehen der Göttin eine Sonnenscheibe oder ein Kuhhorn als Kopfschmuck.

Mitunter nahm Isis auch die Gestalt von Tieren an wie Vögeln, Rindern, Gazellen, Schweinen oder Skorpionen.

Herkunft der Isis

Isis entstammte dem Erdgott Geb sowie der Himmelsgöttin Nut. Sie hatte drei Geschwister. Dies waren Seth, Nephtys und Osiris, der zugleich Isis‘ geliebter Gemahl wurde. Nut und Geb teilten die Herrschaft über die Welt unter ihren vier Abkömmlingen auf. Gemeinsam mit Osiris regierte Isis das fruchtbare Land, sodass ihr auch als Fruchtbarkeitsgöttin Verehrung zuteil wurde. Seth übernahm mit seiner Schwester Nephthys, die zugleich seine Gemahlin wurde, die Regentschaft über die karge Wüste.

Glückliche Ehe mit Osiris

Mit Osiris verbrachte Isis eine glückliche Zeit, obwohl sie zunächst keine Kinder hatten. So führte Osiris zum Beispiel die Bewässerungsanlagen ein, durch die der Erdboden Fruchtbarkeit erhielt. Die Ägypter profitierten davon mit Wohlstand und verehrten Osiris und Isis.

Das Glück der beiden Götter wurde jedoch durch Seth getrübt, der äußerst unzufrieden damit war, dass er nur die öde Wüste als Reich erhalten hatte. Stattdessen wollte er lieber die Macht seines Bruders Osiris.

Mord an Osiris

Eines Tages ermordete Seth seinen Bruder und zerstückelte dessen Leiche. Die einzelnen Teile ließ er über ganz Ägypten verteilen.

Die entsetzte Isis nahm dieses Vorgehen jedoch nicht hin. Zusammen mit ihrer Schwester Nephthys suchte sie die einzelnen Stücke ihres Gemahls solange, bis sie sie gefunden hatte. Mir ihren magischen Kräften setzte sie Osiris wieder zusammen und erweckte ihn zu neuem Leben. Außerdem empfing sie den Samen des Osiris.

Aus Enttäuschung über Seths schreckliche Tat beschloss Osiris jedoch, ein neues Leben zu beginnen. So wurde er im heiligen Westen zum Gott der Toten und damit zum Beherrscher der Unterwelt.

Geburt des Horus

Mit dem Samen des Osiris brachte Isis einen Sohn zur Welt, der den Namen Horus erhielt. Bis er erwachsen war, übernahm die Göttin seinen Schutz. Dann sollte er die Nachfolge seines Vaters antreten und den Kampf gegen Seth aufnehmen.

Nach hartem Kampf gelang es Horus schließlich, seinen Onkel Seth zu besiegen und zum mächtigsten Gott Ägyptens aufzusteigen. Ohne Isis wäre es jedoch weder Osiris möglich gewesen, die Unterwelt zu beherrschen, noch Horus, die Nachfolge seines Vaters anzutreten.

Horus wurde von den Ägyptern mit dem Pharao gleichgesetzt. So stellte Isis auch die Mutter der Pharaonen dar.

Isis und die Magie

Auch in einer anderen Geschichte spielt die Magie der Isis eine wichtige Rolle. So ließ Isis eine mächtige Schlange entstehen, um dem Sonnengott Ra dessen geheimen Namen zu entlocken.

Die Schlange biss Ra, sodass dieser Hilfe bei Isis suchte. Isis wollte dem Gott aber erst dann helfen, nachdem er ihr sein Geheimnis enthüllt hatte. Ra blieb nichts anderes übrig, als nachzugeben. Durch den geheimen Namen des Sonnengottes erlangte Isis noch mehr Stärke und Weisheit.

Verehrung als Schutzgöttin

Die alten Ägypter priesen Isis auch als Schutzgöttin an. So baten die Mütter die Göttin darum, ihre Söhne zu schützen, und die Ärzte erflehten Beistand für ihre Patienten. Von den ägyptischen Männern wurde ein Liebeszauber wiedergegeben, durch den sie sich die gleiche Hingabe ihrer Frauen erhofften, wie von Isis für Osiris.

Isis begleitet die Verstorbenen

Auch im Totenkult fand Isis Verehrung als fürsorgliche Mutter. Sie begleitete die Verstorbenen auf ihrem Gang ins Totenreich und ließ ihnen dabei Schutz zuteil werden. In den Texten der Pyramiden steht geschrieben, dass Isis sich um die Gestorbenen ebenso sorgte wie um ihren Sohn Horus.

Isis als Himmelsgöttin und Hafengöttin

Als Auge des Ra war Isis auch eine Himmelsgöttin. Ihr wurde das Sternbild Sirius zugeordnet, während Osiris das Sternbild Orion erhielt. Die Bewohner von Alexandria verliehen Isis den Zusatznahmen Pharia und betrachteten sie als Beschützerin der Seefahrer.

Isis und Hathor

Isis stand eng im Zusammenhang mit der Göttin Hathor, der Herrin der Himmelskörper. Auf Bildnissen stellten die alten Ägypter Hathor als Frau mit den Hörnern einer Kuh dar. Zwischen den Hörnern saß oftmals eine Sonnenscheibe. Sie erhielt Verehrung als schützende Mutter.

Isis und Hathor wurden im Alten Reich (2700 bis 2200 v. Chr.) häufig miteinander verknüpft. Ungefähr ab dem Mittleren Reich (2137 bis 1781 v. Chr.) begann Isis jedoch Hathor zu ersetzen. Das Verschmelzen der beiden Göttinnen fiel derart intensiv aus, dass Beischriften zur Erklärung oder Ergänzung erforderlich wurden, damit es nicht zu Verwechslungen kam.

Isis bei den Griechen und Römern

Eine überraschende Beliebtheit genoss Isis auch bei den alten Griechen und Römern. Die Griechen setzten sie zumeist mit der Göttin Demeter gleich. Vor allem in Alexandria genoss Isis große Verehrung. Osiris trug dort den Namen Serapis.

Oft wurde Isis auch mit anderen Göttinnen wie Aphrodite verschmolzen. So existieren zahlreiche Statuen von Isis-Aphrodite. Die Römer wiederum verbanden Isis mit Diana, Juno und Ceres.

Über die Griechen gelangte der Isis-Kult sogar bis nach Spanien, wo die Göttin als Schutzherrin der Seeleute verehrt wurde. In Griechenland sowie dem römischen Imperium entstanden zahlreiche Kultorte.

Isis ab dem Christentum

Mit dem Aufstieg des Christentums schwand der Isis-Kult in Ägypten im Laufe der Zeit. Im Römischen Reich hatte er wiederholt Höhen und Tiefen zu verzeichnen. Von einigen römischen Kaisern wurde der Isis-Kult sogar verboten. Andere Imperatoren wie Trajan, Hadrian oder Commodus machten sich wiederum für Isis stark und gestatteten Tempeldienste für die Göttin.

Neben zahllosen Statuen entstanden auch Isis-Münzen. Bis ins Jahr 500 n. Chr. konnte sich der Isis-Kult im Römischen Reich halten.

Kultstätten der Isis

Isis wurde in vielen Gegenden verehrt, die sich aber nicht nur auf Ägypten beschränkten. Eine wichtige Stätte der Ehrerbietung markierte u. a. der Tempel von Abydos, in dem eine Kapelle zu Ehren der Isis geweiht war. Ein weiteres kleines Heiligtum bildete der Tempel des Augustus. Dort feierten die Isis-Anhänger die Geburt der Göttin.

Auch in Gizeh wurde während der 21. Dynastie für Isis ein kleineres Heiligtum errichtet, um sie als Herrin der Pyramide zu ehren.

Der Tempel der Philae

Zu den wichtigsten Kultstätten der Isis in Ägypten zählte der Tempel von Philae, der sich rund acht Kilometer südlich von Assuan befindet. Dort wurden die Tempelanlagen nach der Überflutung der Insel Philae zwischen 1977 und 1980 auf die 150 Meter entfernte Insel Aglikia verlegt.

Der Tempel von Philae gehört zu den drei ptolemäischen Tempeln, die am besten erhalten sind. Neben dem großen Haupttempel gibt es außerdem den kleinen Hathor-Tempel sowie den Trajan-Kiosk, der unter dem römischen Kaiser Augustus entstand.

Von den Römern wurde ferner am Westufer von Theben ein Tempel errichtet, um Isis zu huldigen.

Der Isis-Kult in Deutschland

Sogar bis nach Deutschland drang der Isis-Kult über die Römer vor. Vor allem in der Stadt Köln erhielt die ägyptische Göttin ab dem 2. Jahrhundert n. Chr. größere Aufmerksamkeit.

Auch bei den Saturnalien, die als Vorläufer des Karnevals angesehen werden, war Isis mit von der Partie. So zogen die Bewohner einen Schiffskarren, den sie Carrus navalis nannten, mit Statuen der Isis durch die Stadt.

1999 fand sich in Mainz bei Bauarbeiten ein Tempel aus dem 1. Jahrhundert, der u. a. der Göttin Isis geweiht war.