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Chnum – ägyptischer Schöpfergott

Chnum zählt zu den zahlreichen Göttern des alten Ägypten.

Er wurde als Schöpfergott verehrt.

Der Schöpfergott

Bei Chnum oder Khnum handelte es sich um einen der wichtigsten ägyptischen Götter.

So galt er als Schöpfergott, der sowohl die anderen Götter als auch Menschen, Pflanzen und Tiere erschaffen hatte. Durch Magie erweckte er sie dann zum Leben.

Dabei ähnelte er dem Schöpfergott Ptah. Um beide Gottheiten miteinander in Einklang zu bringen, sprachen die Ägypter davon, „dass Chnum sie formte und Ptah sie bildete“.

Chnum fungierte als Wächter des Nils sowie über die Überschwemmungen, die im alten Ägypten lebenswichtig waren.

Er wurde als Gebieter über Wasser, Nil und dessen Fluten verehrt.

Besondere Ehrerbietung erhielt Chnum dabei in den Städten Esna und Elephantine.

Belegt ist Chnums Anbetung bereits seit dem Alten Reich (ca. 2700 bis 2200 v. Chr.).

Als Herren von Quebehu huldigten ihm die Ägypter aber erst ab dem Neuen Reich (1500 bis 1070 v. Chr.).

So war er im Alten Reich noch kein Schöpfergott, sondern Gehilfe der Himmels- und Neujahrsgöttin Sopdet.

Die Bezeichnung Chnum bedeutet übersetzt „Widder“ oder „Schaf“.

Mitunter nannte man Chnum auch Chnumis, Chnumu, Knubis oder Chnubo.

Chnums Familie

Als Chnums Gemahlin trat die Göttin Satis in Erscheinung. Sie hatten eine Tochter namens Anuket. In der Stadt Elephantine bildeten sie gemeinsam eine Triade.

Dagegen trug Chnums Frau in Esna den Namen Menhit und war eine Löwengöttin. Mit Menhit hatte Chnum den Sohn Heket. Auch in Esna wurde durch diese drei eine Triade gebildet.

Erscheinung des Gottes

Abbildungen aus dem alten Ägypten zeigen Chnum als Menschen mit einem Widderkopf. Auf seinem Haupt ragen die geschwungenen Hörner der ersten in Ägypten gezüchteten Schafart hervor. Diese Art trug die Bezeichnung ‚Ovis longipes palaeoaegyptiaca‘ und war im Neuen Reich schon ausgestorben.

In späteren Jahren erfolgte Chnums bildliche Darstellung mit den kürzeren Hörnern der Schafart ‚Ovis platyra aegyptiaca‘.

Mitunter wurde Chnum auch komplett als Widder abgebildet. Diese Tiererscheinungen stammten in erster Linie aus dem frühen Alten Reich.

Manche Darstellungen zeigten Chnum auch mit der weißen Krone von Oberägypten oder zwei hohen Federn.

Ab ungefähr 2400 v. Chr. wurde Chnum ausschließlich in menschlicher Gestalt mit dem Kopf eines Widders dargestellt.

Chnum als Schöpfergott

Chnum wurde wohl auch von den alten Ägyptern als Schöpfergott angesehen oder als Widder dargestellt, weil der Widder besonders zeugungskräftig sein sollte.

Darüber hinaus war Chnum der Hüter des Nils.

Die Ägypter nahmen an, dass Chnum vor einer Töpferscheibe Platz nahm und darauf aus seinen Händen Menschen, Pflanzen und Tiere schuf, die er anschließend magisch zum Leben erweckte.

Dieses Erschaffen von Leben erfolgte zumeist im Auftrag von anderen Göttern wie beispielsweise der Neunheit von Heliopolis. So erhielt Chnum von diesen u. a. den Auftrag, eine Gemahlin für den Stiergott Bata zu erschaffen.

Chnums Verehrung erstreckte sich vom nördlichen Unterägypten über Oberägypten bis ins südliche Nubien. Überall verehrten ihn die Menschen als Spender der Fruchtbarkeit sowie als Bildner allen Lebens.

Chnum wurde zudem als gütig und geduldig beschrieben. Dabei formte er auch die Schicksale der Menschen.

Wasser und Nilschlamm kontrollierte er stets auf deren Qualität.

Neben den Menschen erschuf Chnum aber auch wichtige Dinge für deren Umfeld wie Bäume, Blumen, Feldfrüchte, Fische und Nutzvieh.

Auch als Erschaffer von Schluchten und Steinbrüchen wurde er gepriesen.

Chnum und der Pharao

Abbildungen von Chnum sind auch häufig auf Darstellungen der Geburten von Pharaonen zu sehen.

Dabei erscheint der Widdergott zumeist sitzend vor einer Töpferscheibe und modelliert den jungen Pharao sowie dessen Ka.

Zu den bekanntesten Abbildungen zählen der Hatschepsut-Tempel in Deir el-Bahari sowie der Luxor-Tempel. Auf diesen Abbildungen formt Chnum die Königin Hatschepsut und den Pharao Amenophis III.

Pharao Cheops und die Zaubermärchen

Auch in der Geschichte ‚Pharao Cheops und die Zaubermärchen‘ kommt Chnum vor.

Darin erhielt die Gottheit von Sonnengott Ra den Auftrag, gemeinsam mit den vier Göttinnen Isis, Heket, Nephthys und Meschenet Rededjet, der Gemahlin eines Priesters, bei der Geburt ihrer Drillinge beizustehen.

Außerdem halfen die Göttinnen auch bei der Niederkunft der Königskinder Neferikare, Sahure und Userkaf. Dabei weissagte Meschenet, dass jeder der drei Jungen einst König sein würde und Chnum ihnen Kraft verleihe.

So trug der Pharao häufig in Pyramidentexten den Beinamen „Sohn des Chnum“.

Die bedeutendsten Orte, in denen Chnum verehrt wurde

Besondere Verehrung wurde Chnum auf der Flussinsel Elephantine und in der oberägyptischen Stadt Esna am Westufer des Nils zuteil.

Vor allem im Neuen Reich priesen die Ägypter Chnum als Schutzherren von Elephantine sowie der Region um den ersten Katarakt. So nannten ihn die Bewohner auch Neb-Qebehu, was ‚Herr des Katarakts‘ bedeutete.

In Esna kam es während der ersten Zwischenzeit (2216-2025 v. Chr.) zur Verschmelzung mit Ra zu Chnum-Ra.

Weitere bedeutende Zentren des Chnumkultes waren Hut-wer, Bigge bei Philae, Herwer, Tarchan sowie Schas-hotep.