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Amun – ägyptischer Gott der Fruchtbarkeit und des Windes

Amun war im alten Ägypten der Gott der Fruchtbarkeit und des Windes.

Von einem zunächst unbekannten lokalen Gott in Theben brachte er es zu einem der mächtigsten ägyptischen Götter.

Amun – der König der Götter

Die Ägypter gaben Amun ab der 12. Dynastie den Beinamen „König der Götter“.

Belegt ist die Herkunft des Amun seit dem Alten Reich. In der 11. Dynastie stellte er einen lokalen Gott der Stadt Theben dar.

Als die Familie der Hermonthen im Bürgerkrieg der Ersten Zwischenzeit als Sieger hervorging, sollte der Gott für Thebens Herrschaftsberechtigung sorgen.

In der 12. Dynastie erfolgte die Verlegung der Hauptstadt Theben nach Norden. Nachdem der Umzug abgeschlossen war, ließ Pharao Sesostris I. (um 1975 bis 1965 v. Chr.) den Tempel des Amun deutlich ausbauen.

Die erste Erwähnung Amuns ist auf Pyramidentexten des Alten Reiches gegen Ende der 5. Dynastie datiert. Darin saß der Pharao als Sohn des Gottes Geb auf dem Thron von Amun.

Was der Name Amun bedeutet

Es wird vermutet, dass Amun die Bezeichnung für „der Verborgene“ bedeutet.

So hieß es, dass selbst die anderen Götter nicht wussten, wie die wahre Erscheinung des Königs der Götter war.

Die Darstellung des Gottes

Amun erhielt das Erscheinungsbild eines Menschen mit blauer Haut. Er besaß einen großen, schlanken Körperbau und verfügte über schwarzes Haar.

Zu den Insignien des Amun gehörte eine hohe Krone, die sein Haar wie einen Helm umgab. Geschmückt wurde sie mit zwei hohen Pfauenfedern.

Gekleidet war der König der Götter mit einem schlichten weißen Gewand.

Im Falle von bedeutenden Auftritten trug Amun an seinem Oberkörper imposanten Halsschmuck.

Seine rechte Hand hielt einen Stab, wie die linke Hand ein Ankh trug.

Amuns Herkunft

Erschienen war Amun praktisch aus dem Nichts. So symbolisierte er den Wind und die Luft, aus denen alle Dinge entstanden.

Von Amun war zudem der Kosmos errichtet worden.

Seine Frau trug den Namen Amaunet. Gemeinsam mit ihr bewirkte Amun die Fruchtbarkeit Ägyptens und sorgte für gute Ernten.

Beide Gottheiten waren Teil der „Achtheit von Hermopolis“. Diese setzte sich aus vier Götterpaaren zusammen, die für die Entstehung der Welt zuständig waren. Dazu gehörten neben Amun und Amaunet auch He und Hehet, Kek und Keket sowie Tenem und Tenemu.

Während He und Hehet für die Endlosigkeit sorgten, waren Kek und Keket für das Entstehen der Gestirne verantwortlich. Außerdem bewirkten sie Helligkeit und Dunkelheit, sodass Tag und Nacht entstanden.

Von Tenem und Tenemu wurden die kleinsten Lebewesen auf Erden repräsentiert, aus denen zusammen mit Wasser Leben entstand.

Amun und Amaunet trugen die Verantwortung für die unsichtbare Luft und den Wind. Beide Elemente waren wichtig für das Wachstum der Erde.

Als die Welt erschaffen war, konnte sich Amun anderen Aufgaben widmen. Dazu gehörte die Wächterschaft über die Totentempel. So achtete der König der Götter darauf, dass alles problemlos ablief und die anderen Götter ebenfalls ihre Aufgaben erledigten.

In Theben wurde die lokale Göttin Mut als Gemahlin des Amun verehrt. Mit ihr hatte Amun einen vogelköpfigen Mondgott namens Chons zum Sohn. Gemeinsam bildeten die drei eine Triade, eine heilige Familie.

Der Stier seiner Mutter

Während der 12. Dynastie gaben die Ägypter Amun den Beinamen „Stier seiner Mutter“.

Der Stier galt seinerzeit als Symbol der Fruchtbarkeit, sodass Amun fortan auch als Fruchtbarkeitsgott gepriesen wurde.

So schrieben die Ägypter ihm den Nordwind sowie die Überschwemmungen durch den Nil zu.

Dabei glaubten sie, dass sich Amun in der Luft manifestierte.

Der Herr des Sieges

Auch als Herr des Sieges lobten ihn die alten Ägypter, wenn sie eine Schlacht erfolgreich geschlagen hatten. So genoss Amun Ansehen als Kriegsgott.

Zum Beispiel bezeichnete sich Pharao Ramses II. (1303 v. Chr. – 1213 v. Chr.) bei der Schlacht von Kadesch als Sohn des Amun. Als er den Gott um Hilfe gegen seine Feinde bat, erhielt sie der Pharao auch. Auf verschiedenen Abbildungen ist Ramses zu sehen, wie er seine geschlagenen Feinde dem König der Götter vorführt.

Amun, der Schutzgott

Verehrung erhielt Amun zudem als Schutzgott. So wurden ihm zahlreiche Sprüche zugeschrieben, mit denen sich der menschliche Körper erhalten ließ. Ebenso konnten sie die Augen schützen.

Um Hilfe wurde Amun auch bei Skorpionstichen gebeten.

Um sich vor gefräßigen Krokodilen zu schützen, hielten die ägyptischen Priester ein Bildnis von Amun in die Höhe und gaben Zaubersprüche von sich.

Beliebtheit erfuhr Amun weiterhin beim einfachen Volk, das ihn als Beschützer der Armen verehrte.

Man rief ihn sowohl bei Krankheiten als auch bei Gerichtsverhandlungen an, damit er Gesundheit und Gerechtigkeit bewirkte.

Amun-Re

Lange Zeit später erfolgte die Umbenennung von Amun in Amun-Re oder Amun-Ra. So wurden die Götter Amun und Ra miteinander verbunden.

Als heilige Tiere des Gottes fungierten die Gans und der Widder.

Von der Königin Hatschepsut, deren Regentschaft zwischen 1479 und 1458 v. Chr. verlief, wurde mit den Priestern des Amun-Re ein Pakt geschlossen. Demnach stellte Hatschepsut eine direkte Tochter von Amun dar, wodurch ihre Besteigung des Throns als rechtmäßig anerkannt wurde. Dadurch stieg Amun endgültig zum Reichsgott auf.

Im Neuen Reich galt Amun-Re als Schöpfer der Welt. In der Zeit von Pharao Echnaton, etwa zwischen 1351 – 1334 v. Chr., wurde Amun aufgrund des Einflusses von Aton deutlich abgewertet.

Nach dem Tod Echnatons konnte Amun-Re jedoch erneut zum Reichsgott aufsteigen, sodass auch die Amun-Priester wieder mehr Wertschätzung erhielten.

Bedeutung bei anderen Völkern

Da auch die Griechen und Römer Amun verehrten, konnte der Amun-Kult nach dem Untergang des ägyptischen Reiches weiter bestehen.

So setzten ihn die Hellenen mit Zeus gleich und die Römer mit Jupiter.

Nach einer Reise zu einem Amunorakel in der Oase Siwa wurde Alexander der Große (356 v. Chr. – 323 v. Chr.) zum Teil sogar als Amun angesehen, sodass seine Darstellung mit Widderhörnern erfolgte.

Amun und die griechische Mythologie

Die griechische Mythologie beschrieb Amun als legendären König von Libyen und gab ihm Rhea, die Tochter des Titanen Uranos zur Frau.

Doch Amun betrog Rhea mit Amaltheia, woraus sein Sohn Bacchus hervorging.

Bacchus musste der Eifersucht von Zeus Gemahlin Hera entzogen werden, weswegen man ihn zum Berg Nysa brachte.

Dort bekam das Kind, dessen Erziehung durch Nymphen erfolgte, dann den Namen Dionysos.

Als Amun starb, nahmen ihn die Götter in ihre Mitte auf.

Amun und die Nubier

Auch bei den Nubiern stellte Amun eine der wichtigsten Gottheiten dar.

Die Nubier gaben ihm die Gestalt eines Widders.

Als die Ägypter Nubien eroberten, übernahmen sie den Widder.

Später wurde Amun in der Sprache der Nubier Amani genannt.

Kultstätten

Im Neuen Reich wurde Amun von breiten Schichten der Bevölkerung verehrt.

Zu seinen bekanntesten Kultstätten zählten u. a. der große Tempel in Karnak sowie der Luxor-Tempel.

Kultbereiche waren außerdem in Medinet Habu und Deir el-Bahari vorhanden.