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Thot – Gott des Wissens und der Weisheit

Thot war der Gott des Wissens und der Weisheit.

Auch als Gott des Mondes verehrten die alten Ägypter ihn.

Thot – Ein vielseitiger Gott

Thot, auch Thoth, Djehuti, Tahuti oder Tehut genannt, fand in der ägyptischen Mythologie vielseitige Verehrung. So priesen ihn die Ägypter als Gott von Weisheit und Wissenschaft, Gott der Magie und der Schreiber sowie als Gott des Kalenders. Außerdem war er der Gott des Mondes.

Darstellung

Dargestellt wurde Thot in erster Linie als Mensch mit dem Kopf eines Ibis-Vogels, der entweder aufrecht stand oder hockte. Ebenso gab es Darstellungen als Mantelpavian oder als Frau mit Ibiskopf.

Die Auswahl dieser Tiere soll mit Thots Funktion als Mondgott zusammenhängen. So weist der Ibis mit seinem gekrümmten Schnabel Ähnlichkeiten mit der Mondsichel auf. Die schwarz-weißen Federn des Vogels erinnern daran, dass der Mond ab- und wieder zunimmt.

Die Paviane gaben schnatternde Geräusche von sich, wenn es dämmerte. Die alten Ägypter glaubten, dass die Kreaturen des Mondgottes auf diese Weise die Sonne begrüßten.

Der Gott des Schreibens und des Wissens

Größte Verehrung fand Thot als Gott des Schreibens, Rechnens und Wissens. So glaubten die alten Ägypter, dass er ihnen Sprache und Schrift geschenkt hatte. Ferner priesen sie ihn als Schutzgott der Bibliotheken und Archive, in denen sich das Wissen der Ägypter befand.

Als Zeichen der Ehrerbietung gegenüber Thot wurden dem Gott von den Schreibern einige Wassertropfen zu Beginn der Arbeit geopfert. Thot galt zudem als Verfasser sämtlicher Schriften. Dazu gehörten u. a. Gesetze, Verträge, verschiedene Zaubersprüche und Rituale sowie das Totenbuch*. Selbst die anderen Götter kannten diese Schriften nicht, wodurch Thot große Macht erlangte.

Thot wurde auch als Gott der Mediziner angesehen. So verwendeten die Ärzte seinerzeit oft Zaubersprüche, sodass sie ihn als ihren Schutzgott verehrten. Außerdem sollen Thots Worte in der Lage gewesen sein, Menschen und Objekte zu erschaffen.

Thots Ursprung und Verehrung

Woher Thot seinen Ursprung hat, ist nicht genau bekannt. Schon in frühen Zeiten verehrten ihn die Bewohner von Hermopolis Magna als Gott. Dort war er der Gefährte von Sechat, die die Göttin der Schreibkunst darstellte.

Später gab man ihm die Hasengöttin Unut zu Frau, die dann von der Göttin Nemet-aui abgelöst wurde. Zusammen mit ihr hatte Thot einen Sohn namens Nepheros.

Laut einer alten Überlieferung entstand Thot aus dem Kopf des Seth. Dieser hatte ohne das Wissen von Horus dessen Samen verschluckt. Aus diesem ging schließlich Toth hervor.

Thot im Alten Reich

Bereits während des Alten Reiches war Thot ein bedeutender Gott. Zunächst wurde er als Mondgott verehrt. In den Texten der Pyramiden fand er häufig Erwähnung.

Später priesen ihn die alten Ägypter auch als Gott der Zeiteinteilung und des Maßes, bis er schließlich zum Gott der Wissenschaften aufstieg. Zudem wurde er als Sekretär der Götter angesehen. Auch die Erfindung der Hieroglyphen schrieben ihm die Ägypter zu.

Als Schreiber und Wesir des Osiris wurde Toth im Osirismythos bezeichnet. Schließlich stieg Toth zum Nachfolger von Horus auf, wobei er Ägypten 3000 Jahre lang in Frieden regierte.

Nach dieser fruchtbaren Zeit begab sich Toth in den Himmel zum Mond. Da dort jedoch ein Dämon immer wieder an ihm fraß, hatte dies regelmäßige Auszehrungen zur Folge, bei denen es sich um die unterschiedlichen Mondphasen handelte.

Wie Thot zum Mondgott wurde

Der Legende nach war es Sonnengott Ra eines Tages leid, die ständigen gewaltsamen Konflikte der Menschen erdulden zu müssen. Daher plante er seinen Rückzug in den Himmel. Dies hatte jedoch Folgen für die Zeitstruktur. So gab es nur noch bei Tage Licht auf der Erde, weil die Sonne am Abend unterging und die Unterwelt durchquerte. Am nächsten Morgen erschien sie dann wieder.

Während ihrer Abwesenheit wurde die Sonne durch den Mond bzw. Thot ersetzt. Ra selbst wies Thot diese Aufgabe zu und ernannte ihn zu seinem Stellvertreter, wodurch er zum Herren der Sterne aufstieg und die Jahre, Jahreszeiten und Monate entstehen ließ.

Thot im Neuen Reich

Im Neuen Reich stellte Thot den ersten Monat der Jahreszeit Achet dar. Als Gott des Mondes kontrollierte er auch die Zeit und ihre Abschnitte, denn diese richteten sich nach dem Lauf des Mondes. Dadurch wurde Thot auch zum Gott des Maßes. So stellte er den Repräsentanten einer gleichmäßigen Weltordnung dar.

Aufgabe im Totengericht

Auch im Jenseits erfüllte Thot wichtige Aufgaben. So nahm er das Totengericht des Osiris zu Protokoll und hielt fest, ob die Verstorbenen würdig genug für die Aufnahme ins Totenreich waren. Dabei führte er die Toten zu Osiris und reichte ihnen den Arm, um sie in den Himmel zu tragen.

Trotz all seiner Macht blieb Toth jedoch im Hintergrund und ordnete sich Ra unter, in dessen Auftrag er agierte und als dessen Herz er bezeichnet wurde.

Als Herr über die Ordnung und Gesetze bestand zudem eine enge Verbindung mit Maat, die teilweise als seine Gattin beschrieben wurde.

Wenn es sein musste, setzte Toth die Ordnung auch gewaltsam durch. So galt er u. a. als „Herr des Gemetzels“, der den Kampf nicht scheute. So schnitt der Gott Frevlern mit seiner Waffe mitunter den Kopf ab.

Toth als Beschützer des Pharaos

Im Alten Reich galt Toth als Beschützer des Sonnengottes Ra.

Dadurch war er auch der Schutzherr des Pharaos, nach dessen Tod es zur Vereinigung mit Ra kam.

Gemeinsam mit Horus war Toth auch für die rituellen Reinigungen des Herrschers zuständig.

Silberner Aton

In der Spätzeit Ägyptens erhielt Toth den Beinamen „Silberner Aton“. Darüber hinaus war er der Beschützer des Mondauges. In verschiedenen Legenden wurde das Auge von Toth behandelt und beschützt wie beispielsweise beim Streit zwischen Seth und Horus. Dabei hatte Seth Horus das Auge zuvor ausgeschlagen.

Toth und die Griechen

Die alten Griechen setzten Thot mit dem Götterboten Hermes gleich. Später vereinigten sich Thot und Hermes zu Trismegistos. Im Dialog Phaidros* von Plato fand der ägyptische Gott Theuth Erwähnung durch Sokrates als Schöpfer der Schrift.

Wichtigste Orte der Verehrung

Als Hauptverehrungsort von Toth galt Hermopolis Magna, das ägyptische Chemenu, das in der Gegenwart in el-Aschmunein liegt. An diesem Ort wurden auf Geheiß von Pharao Amenophis III. Pavianstaturen errichtet, die ein Gewicht von rund 30 Tonnen erreichten.

Nicht weit davon entfernt befand sich eine Tiernekropole mit tausenden von Pavianen und Ibissen, die mumifiziert worden waren. Sogar in Nubien fand Thot Verehrung.

Um den Gott des Schreibens und Wissens zu ehren, legten die ägyptischen Schriftgelehrten oft Amulette an, die die Gestalt eines Pavians aufwiesen.