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Osiris – Totengott und Herrscher der Unterwelt

Osiris wurde von den alten Ägyptern als Totengott verehrt.

Er war der Herrscher über die Unterwelt.

Osiris, der Totengott

Osiris zählte zu den wichtigsten Göttern des alten Ägyptens. So wurde er von sämtlichen Schichten der Bevölkerung als Totengott verehrt und lebte im Jenseits weiter, wo er die Unterwelt beherrschte. Osiris galt den Menschen als Vorbild, sodass sie wie er den Tod überwinden wollten. Aus diesem Grund ließen sie sich auf ihre Särge den Namen des Osiris schreiben. Gemeinsam mit Isis und Horus war Osiris Teil der Triade von Abydos.

Osiris‘ Name

Nicht sicher ist, was der Name Osiris eigentlich bedeutet. In früheren Zeiten übersetzte man die Bezeichnung als „Sitz des Auges“. In der Gegenwart gilt Osiris dagegen eher als Ableitung des Wortes „weseru“. Das bedeutet „der Starke“ oder „der Mächtige“.

Die früheste Verehrung von Osiris ist aus der 5. Dynastie (2504 bis 2347 v. Chr.) bekannt. Es gilt jedoch als wahrscheinlich, dass die alten Ägypter den beliebten Gott schon früher verehrten.

Herkunft

Osiris war nicht von Beginn an der Gott der Toten. Der Legende nach entstammte er der Himmelsgöttin Nut sowie dem Erdgott Geb. Zu seinen Geschwistern gehörten Isis, Seth und Nephtys.

Es dauerte nicht lange, bis Osiris zu einem stattlichen Mann heranwuchs und die Nachfolge seines Vaters als König von Ägypten antrat. Seine Königin wurde seine Schwester Isis.

Osiris als Fruchtbarkeitsgott

Osiris stellte zuerst den Fruchtbarkeitsgott dar. Seine Aufgabe bestand darin, den Menschen den Ackerbau zu zeigen. Dabei brachte er ihnen bei, Wein anzubauen und Brot zu backen. Außerdem kontrollierte er den Bau des ersten Tempels, der die Götter ehren sollte.

Aus dem Schlamm des Nils konnte Osiris Figuren formen. Diese Figuren vermischte er mit Körnern, sodass sie im weiteren Verlauf ergrünten und gediehen.

Von dem Gott der Fruchtbarkeit erhielten die Ägypter zudem ihre Kultur. Danach wollte Osiris auch anderen Völkern die Zivilisation bringen. Auf seiner Reise begleitete ihn sein unehelicher Sohn Anubis, den er mit seiner anderen Schwester Nephtys, der Gemahlin seines Bruders Seth, gezeugt hatte.

Osiris‘ Reisen waren von Erfolg gekrönt. So gelang es dem Gott, die Menschen durch seine Güte und Natürlichkeit von sich zu überzeugen. Darüber hinaus verdankten die Menschen Osiris die Bewässerungsanlagen, die ihre fruchtbaren Erdböden mit Leben erfüllten.

Herrschaft über die Erde

Von Osiris‘ Eltern wurde bestimmt, dass er und seine drei Geschwister über die Erde herrschten. Gemeinsam mit Isis regierte Osiris das fruchtbare Land, während Seth und dessen Gemahlin Nephtys über die Wüste geboten.

Konflikt mit Seth

Als Osiris wieder in seine Heimat zurückkehrte, erwartete ihn dort ein begeisterter Empfang. Nur einer sah voller Neid und Hass auf ihn herab: Seth, sein Bruder.

Seth litt darunter, dass Osiris mehr Beliebtheit und Erfolg genoss als er selbst. Seth verfügte vor allem über körperliche Stärke. Er war jedoch nicht zufrieden damit, über die öde Wüste herrschen zu müssen. Eines Tages fasste er den Entschluss, seinen Bruder zu töten und selbst König zu werden.

Auf welche Weise Seth Osiris ermordete, wurde unterschiedlich beschrieben. Alle Versionen haben jedoch miteinander gemeinsam, dass Seth seinem Bruder eine Falle stellte und ihn hinterrücks beseitigte.

In einer Geschichte verwandelte sich Seth in ein Krokodil, das Osiris anschließend auffraß. Einer anderen Version zufolge wurde Seth zu einem wilden Stier, der Osiris zermalmte. Eine der bekanntesten Legenden ist die Einladung Osiris‘ zu einem Festessen durch Seth, der seinen Bruder dabei heimtückisch ermordete.

Zusammen mit 72 Gehilfen baute Seth einen Sarkophag, der exakt den Körpermaßen von Osiris entsprach. Nach dem Festessen überredete Seth seine Gäste, den Sarg aus Spaß zu besteigen, doch keiner von ihnen passte hinein. Nur für Osiris war der Sarg wie maßgeschneidert. Als Osiris sich in den Sarkophag gelegt hatte, eilten Seths Handlanger herbei und verschlossen ihn mit Blei. Seth befahl daraufhin, den Sarg in den Nil zu werfen.

Isis‘ Suche nach Osiris

Als Isis von dem Tod ihres Gemahls erfuhr, machte sie sich auf die Suche nach seinen sterblichen Überresten. Weil durch den Mord an Osiris das Jenseits entstand, erhielt Isis die Aufgabe, eine Verbindung mit dem Diesseits herzustellen.

Isis nahm diese Aufgabe an und zeugte mit Osiris durch magische Kräfte den Sohn Horus. Er erhielt die Aufgabe, den Tod seines Vaters an Seth zu rächen, wenn er das Erwachsenenalter erreichte. Auf dem leblosen Körper von Osiris brachte Isis den Lichtgott Horus zur Welt.

Seine Kindheit verbrachte Horus in Buto, um eine vorzeitige Begegnung mit Seth zu vermeiden. Als er erwachsen wurde und von dem hinterhältigen Mord an seinem Vater erfuhr, brannte er auf Rache.

Eines Tages reiste Isis zu ihrem Sohn. Ihre Abwesenheit nutzte Seth aus, um das Grab von Osiris zu öffnen und den Leichnam seines Bruders zu zerstückeln, um ihn in den Sümpfen zu zerstreuen.

Isis gab jedoch auch nach dieser schändlichen Tat nicht auf und segelte mit einem Boot in die Sümpfe, wo sie die einzelnen Teile ihres Gemahls wiederfand und zusammensetzte. Hilfe erhielt sie dabei von ihrer Schwester Nephtys.

Allerdings gibt es von dieser Geschichte unterschiedliche Interpretationen. So soll Isis mehrere Nachbildungen von Osiris angefertigt haben, die sie mehreren Städten zum Geschenk machte, damit sie ihn verehrten. Außerdem dienten die vielen Gräber dazu, Seth in die Irre zu führen.

Später gelang es Horus, Seth zu besiegen, sodass nun Osiris‘ Sohn zum neuen König sowie zum mächtigsten Gott von Ägypten aufstieg.

Osiris als Totengott

Nach der Ermordung von Osiris durch Seth war der Gott derart enttäuscht, dass er beschloss, für immer in der Unterwelt zu bleiben. Dort herrschte er von nun an über die Toten. Als Richter war Osiris außerdem Vorsitzender des Totengerichts.

Die Verstorbenen mussten bei dieser Prozedur ihr Herz auf eine Waagschale legen. Dieses dufte nicht mehr wiegen als die Waageschale mit der Feder der Göttin Maat. Das ewige Leben im Reich des Osiris erhielt nur derjenige, der sein Leben gut führte und die Gesetze achtete.

Osiris und Ra

Zu Ra, dem Sonnengott, stellte Osiris eine besondere Verbindung her. Jede Nacht, wenn Ra die Unterwelt auf seiner Sonnenbarke durchquerte, kam es zur Vereinigung von Osiris Seele mit dem Körper des Sonnengottes. Am Ende der Nacht hatte Ra dadurch wertvolle neue Kraft erhalten, und die Sonne ging am Morgen erneut auf.

Andere Namen des Osiris

Im Zeitalter der Ptolemäer wurde Osiris mit Apis, dem Stiergott, vereint und trug fortan den Namen Serapis. Vor allem die Griechen, die zu jener Zeit in Ägypten lebten, huldigten Serapis.

Darüber hinaus stellte Osiris eine Inkarnation des Sternbilds Orion dar. Von anderen Göttern bekam der Totengott außerdem verschiedene Beinamen wie Wennefer. Das bedeutete soviel wie: „Der für immer in guter Verfassung ist“, da er dem Tod auf ewig getrotzt hatte. Auch „Herr der Gotteshalle“ oder „Der Schreckliche“ wurde er genannt.

Bildliche Darstellungen des Osiris

Auf Bildern dargestellt wurde Osiris als Mumie, die ihre Arme kreuzte und auf einem Thron saß. Dabei trug der Totengott königliche Insignien wie Geißel und Krummstab.

Die Gesichtsfarbe des Osiris fiel unterschiedlich aus. Die Zeichner stellten es entweder schwarz, weiß oder grün dar. Als Zeichen seiner Würde wurde dem Gott die weiße Krone von Oberägypten aufs Haupt gesetzt. In anderen Versionen trug Osiris eine Atef-Krone mit zwei Federn, die der Krone von Unterägypten ähnelte.

Einige Bilder zeigten Osiris auch liegend auf einer Totenbahre, während Isis und Nephtys um ihn trauerten.

Stätten der Osiris-Verehrung

Die wichtigsten Kultzentren von Osiris befanden sich in Busiris und Abydos. Abydos lag am westlichen Nilufer rund 160 Kilometer nördlich von Luxor.

Im Mittleren Reich stieg Abydos zur bedeutendsten Kultstätte des Totengottes auf. Dort wurden auch Jahr für Jahr die Osiris-Mysterien ausgetragen. Zahlreiche Pilger besuchten Abydos, weil sie glaubten, dass Osiris dort begraben sei.

Das Gegenstück zu Abydos in Oberägypten bildete Busiris in Unterägypten. Übersetzt bedeutete Busiris „Haus des Osiris“. Dort soll sich die Wirbelsäule des Gottes befunden haben.

Weil der Körper des Osiris von Seth zerstückelt und über ganz Ägypten verteilt worden sein soll, nahmen zahlreiche Städte für sich in Anspruch, Körperteile des Gottes zu besitzen. So behaupteten zum Beispiel die Städte Herakleopolis, Edfu, Sebennytos und Biga, ein oder zwei Beine von Osiris zu besitzen.